E-Plus-Übernahme: Drillisch soll Netzkapazitäten von O₂ abnehmen

Nach der Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland soll die Drillisch Gruppe 20 Prozent der gesamten Netzkapazitäten im Wege eines mobilen Bitstrom-Zugangs übernehmen. Mit dieser Vereinbarung will Telefónica den Kartellbehörden entgegen kommen.

Die abschließende Entscheidung der Europäischen Kommission in Sachen E-Plus-Übernahme durch Telefónica Deutschland (O₂) wurde Medienberichten zufolge noch für diese Woche erwartet. Nun kommt Telefónica den Kartellbehörden entgegen, indem das Unternehmen eine Vereinbarung mit der Drillisch Gruppe geschlossen hat. Diese sieht vor, dass im Fall einer Übernahme von E-Plus 20 Prozent der Kapazitäten des zusammen­geschlossenen Mobilfunknetzes an Drillisch abgegeben werden. Dies hat Telefónica Deutschland am heutigen Mittwoch in einer Adhoc-Meldung mitgeteilt. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Entscheidung der EU-Kommission im Juli fällt.

Demnach sieht die Vereinbarung vor, dass Drillisch über einen Zeitraum von fünf Jahren 20 Prozent der Netzkapazitäten im Rahmen eines mobilen Bitstrom-Zugangsmodells übernimmt. Darüber hinaus erhält das Unternehmen das Recht bis zu weitere 10 Prozent der Kapazität aus den kombinierten Netzen von E-Plus und Telefónica Deutschland zu erwerben.

Im Zuge der kartellrechtlichen Prüfung der E-Plus-Übernahme durch die deutsche Tochter des spanischen Telekommunikationskonzern Telefónica hatte es immer wieder Bedenken gegeben, dass es durch die Reduzierung auf drei deutsche Mobilfunknetzbetreiber, Einschränkungen im Wettberwerb geben könnte. Zeitweise war im Gespräch, dass Telefónica Deutschland einen Teil der Frequenzen abgeben müsse. Außerdem hatte das Unternehmen mit 1&1 Verhandlungen zur Übernahme von Netzkapazitäten geführt, die jedoch scheiterten. Durch die jetzt mit Drillisch geschlossene Vereinbarung „sollen einzelne Zusagen umgesetzt werden, die Telefónica Deutschland im Rahmen des Fusionskontrollverfahrens angeboten hat, um wettbewerbsrechtliche Bedenken der Europäischen Kommission auszuräumen“, so das Unternehmen.

Zur Drillisch Gruppe gehören verschiedene Marken, die eigene Mobilfunkangebote auf der Basis von Kapazitäten der Netzbetreiber anbieten. Neben dem O₂-Netz betreibt das Unternehmen auch MVNO-Angebote im Vodafone-Netz. Drillisch bietet seine Mobilfunkprodukte unter anderem unter den Marken helloMobil, McSIM Phonex und Simply an.

(kb)

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