Hemlis: Entwicklung der sicheren WhatsApp-Alternative aufgegeben

Das Team um Pirate-Bay-Gründer Peter Sunde hat die Entwicklung der Messaging-App Hemlis aufgegeben. Als Grund nennen die Entwickler der verschlüsselnden WhatsApp-Alternative unter Anderem, dass die Benutzer trotz zahlreicher sichererer Angebote weiterhin beim Platzhirsch bleiben.

In letzter Zeit war es von Seiten der Hemlis-Entwickler recht ruhig geworden. Der letzte Beitrag im Blog stammte von September 2014. Jetzt verkündet das Team, dass man die Entwicklung an der sichereren Alternative zu WhatApp einstellt.

Crowdfunding brachte über 100.000 US-Dollar in 36 Stunden

Die Begeisterung war groß, als das Team rund um den Pirate-Bay-Gründer Peter Sunde im Juli 2013 ankündigte, einen Messenger entwickeln zu wollen, der dank starker Verschlüsselung, die Privatsphäre seiner Nutzer wesentlich besser schützen würde, als es der Platzhirsch WhatApp bis dahin tat. Innerhalb von nur 36 Stunden überstieg die Crowdfunding-Kampagne die stattliche Summe von rund 100.000 US-Dollar.

Danach verlief die Entwicklung von Hemlis allerdings eher schleppend. Nachdem im Oktober 2013 in einem Video eine frühe Version gezeigt worden war, wähnte man sich im Januar 2014 bereits auf der Zielgeraden, bevor im Juli 2014 mit einem weiteren Video weitere Funktionen gezeigt wurden. Zwischenzeitlich musste Peter Sunde im Zusammenhang mit The Pirate Bay eine mehrmonatige Haftstrafe verbüßen, was sicherlich nicht zu einer schnellen Weiterentwicklung von Hemlis beigetragen hatte.

Für die Crowdfunding-Teilnehmer wurde später dann ein geschlossener Beta-Test gestartet. Danach wurde es jedoch ruhig um das Projekt, bis heute dessen Einstellung verkündet wurde. Als Grund geben Sunde und Co. an, dass WhatsApp trotz vielfacher Alternativen, die ebenfalls auf sichere Verschlüsselung setzen, weiterhin einen Nutzerzuwachs verzeichne und man deshalb akzeptiert habe, dass die selbst gesteckten Ziele unerreichbar und das Projekt damit gestorben sei.

Sunde erklärt Hintergründe

In einem eigenen Blog-Artikel erklärt Sunde die Hintergründe der Entscheidung. Neben persönlichen Ereignissen (ein Team-Mitglied ist zwischenzeitlich Vater geworden, Sundes Vater verstarb während seiner Haft), die den Fortgang der Entwicklung verzögert hätten, ist dort auch die Rede von einem Diebstahl über den bislang noch nichts bekannt war. Demnach wurden Rund 30.000 Dollar der Crowdfunding-Summe zusammen mit einem Bitcoin-Wallet gestohlen. Letztendlich war es dann auch das fehlende Geld, das die Hemlis-Macher zur Aufgabe gezwungen habe. Man wolle keine zweite Crowdfunding-Runde starten und damit die bereits enttäuschten Unterstützer erneut zu Kasse bitten. Ebenso wenig wolle man jedoch auf kommerzielle Investoren setzen.

Was mit dem bestehenden Code von Hemlis passiert, dazu äußert sich Sunde etwas undeutlich. Einerseits habe man nach Möglichkeiten gesucht, wie das Geschaffene in andere Projekte einfließen könne. Andererseits habe man jedoch auch realisiert, dass einige Dinge im größeren Maßstab schlicht nicht funktionieren würden. Ob der Quellcode also veröffentlicht wird, ist bislang nicht klar.

[Update vom 23. April 2015 - 12:40 Uhr]

In den Kommentaren zu seinem Blog-Artikel schreibt Sunde: „We’ll release the usable parts of the code as free software with the most free license we can. It belongs to the community (and the community paid for it)“. Somit werden also die „nutzbaren“ Teile des Quellcode an die Community übergeben.

(kb)

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