Kommentar: Wo sind die 25 Milliarden SMS geblieben?

Der Branchenverband BITKOM meldet für 2013 einen massiven Rückgang der SMS-Versandmenge um 37 Prozent auf 37,9 Milliarden Kurzmitteilungen. Noch im August 2013 hatte der Verband einen neuen Rekord mit 63 Mil­li­arden verschickten SMS prognostiziert. Wo sind die vielen SMS geblieben?

Die Meldung des Branchenverbands BITKOM mit dem Titel „Gezeitenwechsel bei Kurznachrichten“ bekommt gerade ordentlich Aufmerksamkeit. Auf vielen Online-Portalen klettert die Meldung langsam nach oben, was auf reges Interesse bei der Leserschaft schließen lässt. Dabei ist das Zahlenmaterial gar nicht so brandaktuell. Es verbarg sich jedoch bislang im Jahresbericht 2013 der Bundesnetzagentur der bereits Anfang Mai 2013 vorgestellt wurde. Nun hat der BITKOM die Zahlen jedoch ans Licht gezerrt.

Der Rückgang der SMS-Versandmengen war durchaus erwartbar, spielen Messaging-Dienste wie WhatsApp und Co. doch nicht erst seit gestern eine wichtige Rolle auf den Smartphones von Jung und Alt. Mit einem Absturz um fast 37 Prozent von 59,8 Milliarden SMS im Jahr 2012 auf 37,9 Milliarden SMS im Jahr 2013 werden jedoch nicht viele gerechnet haben. Schon gar nicht der Branchenverband BITKOM. Denn der hatte noch im August 2013 einen neuen SMS-Rekord für 2013 prognostiziert. Auch im November war man noch davon überzeugt, dass es mit 63 Milliarden SMS einen neuen Rekordwert geben werde.

Nun sind Prognosen schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, wie ein schlauer Mensch einmal gesagt hat. Dennoch erscheint es erstaunlich, dass sich die Deutschen in den letzten vier Monaten des Jahres 2013 allem Anschein nach komplett von der guten alten SMS abgewendet haben sollen. Träfe dies zu, dann dürfte es für 2014 ja ganz finster aussehen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass man die Prognose beim BITKOM auf falsche Zahlen gestützt hatte. Beide Male ist als Quelle die Bundesnetzagentur angegeben. Wo der Fehler passiert ist, darüber kann man nur spekulieren. Eine Nachfrage beim BITKOM blieb bislang unbeantwortet.

Durchaus plausibel klingt die Einschätzung, dass die SMS im professionellen Bereich eher an Bedeutung gewinnt. Hier nennt der BITKOM Mobile-TAN für das Online-Banking, Benachrichtigungen zu Zugverspätungen und Boardkarten für den Flughafen-Check-In als Beispiele. Auch Anwendungen im Machine to Machine (M2M) Bereich dürften eine Rolle spielen. Eine Kompensation des Rückgangs der SMS-Nutzung bei den Privatanwendern, wie der BITKOM noch im November spekulierte, scheint jedoch nicht statt zu finden, auch wenn sich die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte so gut anhörte.

Wo die 25 Milliarden SMS geblieben sind, dürfte einigermaßen geklärt sein. An welcher Stelle und warum sich bei den SMS-Rekordzahlen in den vergangenen Jahren noch Fehler eingeschlichen haben könnten, ist eine viel interessantere Frage.

(kb)

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