Österreich: Wettbewerbshüter untersuchen Handytariferhöhungen

Nach der Übernahme von Orange durch Hutchison 3G hat es deutliche Preisanstiege bei österreichischen Handytarifen gegeben. Nun will die Bundeswettbewerbsbehörde untersuchen, ob diese aufgrund der Reduktion des Marktes von vier auf drei Teilnehmer zusammenhängen.

Lange Zeit schauten deutsche Mobilfunkkunden neidvoll auf die Tariflandschaft unseres südlichen Nachbars. Während man hierzulande für Mobiltelefonie noch tief in die Tasche greifen musste, telefonierte und simste man in Österreich bereits zum günstigen Pauschaltarif. Dies hat sich jedoch in letzter Zeit etwas gewandelt.

Kunden beklagen Preiserhöhungen

Zwar gibt es in dem Alpenland immer noch etliche Smartphone-Tarife, die deutsche Kunden vor Neid erblassen lassen, der Abstand ist jedoch geringer geworden. In manchen Bereichen ist man in Deutschland sogar besser dran. Zu beobachten war auf dem Mobilfunkmarkt unserer Nachbarn in den letzten Monaten jedoch ein deutlicher Preisanstieg. Kunden beklagen – wie in diesem österreichischen Mobilfunkforum – die vielen Preiserhöhungen der Mobilfunkbetreiber in den letzten Monaten. Auch der Jahresbericht der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) – vergleichbar mit der deutschen Bundesnetzagentur – weist einen deutlichen Anstieg beim „Preisindex Mobilfunk“ aus.

Bundeswettbewerbsbehörde will Telekombranche untersuchen

Die Ursache ist für die meisten Kunden klar: Durch die Übernahme des Mobilfunk­unter­nehmens Orange durch Hutchison 3G im Dezember 2012 hat sich die Zahl der Teilnehmer auf dem Markt von vier auf drei und damit auch der Wettbewerb reduziert. Ob dies tatsächlich der Fall ist, will die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) – das österreichische Pendant zum deutschen Bundeskartellamt – nun genauer untersuchen. Dies hat die Behörde am heutigen Freitag mitgeteilt.

EU-Wettbewerbskommissar räumt Fehler ein

Ähnlich wie in Deutschland bei der E-Plus/O₂-Fusion hatte – zum Missfallen der BWB – die Europäische Kommission die Federführung bei der Genehmigung der Übernahme von Orange durch Hutchison 3G übernommen. Diese scheint jedoch nicht optimal abgelaufen zu sein. So zitiert die BWB EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia, dass man „im Fall Österreichs 2012 keine vorherigen Verpflichtungen vorgesehen hat“ und weiter „Das war ein Fehler unsererseits. Ich bin nicht zufrieden damit, was auf dem österreichischen Markt vor sich geht“.

Parallelen zur Situation in Deutschland?

Die Situation auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt weist einige Parallelen zur Situation in Deutschland auf. Auch hier wird sich die Anzahl der Mobilfunknetzbetreiber in Kürze, durch die gerade abschließend genehmigte Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland, von vier auf drei reduzieren. Ebenso gab es ein gewisses Kompetenzgerangel zwischen nationalen und europäischen Wettbewerbshütern. Allerdings scheint man bei der EU-Kommission etwas vorsichtiger geworden zu sein und hat – nach einigen Zwischenzeitlichen Verzögerungen – kurz vor der finalen Freigabe weitere Ermittlungen angestellt. Direkt vergleichbar ist die Situation in den beiden Ländern allerdings nicht. Während es in Deutschland neben den Netzbetreibern noch eine reihe Discounter mit virtuellen Netzen gibt, hat sich dieser Bereich auf dem österreichischen Markt noch nicht ausreichend etabliert.

Es bleibt auf jeden Fall in beiden Ländern spannend. In Österreich muss man die Untersuchungen durch Bundeswettbewerbsbehörde und weitere betroffene Behörden abwarten. In Deutschland wird sich erst im Laufe der kommenden Monate zeigen, ob die von der EU-Kommission angeregten Vereinbarungen zwischen Telefónica Deutschland und Drillisch, den Wettbewerb auf dem deutschen Mobilfunkmarkt nachhaltig gewährleisten können.

(kb)

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