Rückblende: „Ab 1. Januar 1995 zeigt sich Telekom in neuer Form“

Vor 20 Jahren informierte die damalige „Deutsche Bundespost Telekom“ ihre Kunden über die Umfirmierung in die Deutsche Telekom AG. Die Privatisierung des Telekommunikationsmonopolisten war der erste Schritt zur Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes.

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,

Zum 1. Januar 1995 wird aus der Deutschen Bundespost Telekom die Deutsche Telekom AG. Das ist ein großer Schritt nach vorne. Für Telekom, für Sie als unsere Kunden, für Deutschland.

Kundenbroschüre zur Telekom-Privatisierung
Kundenbroschüre zur Telekom-Privatisierung
Bildquelle: Telekom / Scan: TarifeTarife

Mit diesen Worten hat die damalige Deutsche Bundespost Telekom ihre Kunden auf die bevorstehende Privatisierung und damit verbundene Umfirmierung in die Deutsche Telekom AG hingewiesen. In der wahrscheinlich Ende 1994 verschickten Broschüre – von der ein Exemplar die letzten 20 Jahre in den Tiefen des „TarifeTarife-Archivs“ überdauert hat – ist die Rede von einem großen Schritt.

Tatsächlich war die Privatisierung der Telekom, als Teil der zweiten Postreform, ein erster entscheidender Schritt, der schließlich in die Liberalisierung des deutschen Telekom­munikationsmarktes im Jahr 1998 mündete.

In den folgenden 20 Jahren, nach der Telekom-Privatisierung, entwickelte sich die Telekom­munikation in Deutschland von einem mono­polisierten Telefonnetz zu einem Markt mit vielen verschiedenen Anbietern und neuen Kommunikationswegen. Heute stehen wir vor der Transformation in einen digitalen europäischen Binnenmarkt. Dieser zeigt in letzter Zeit allerdings Tendenzen hin zu einer (politisch gewollten) Konsolidierung, was Mitte der Neunzigerjahre, von denen, die die Schritte zur Markt­liberalisierung eingeleitet haben, so sicherlich nicht abzusehen war.

Von all dem war in der Telekom-Broschüre selbstverständlich keine Rede. Dafür findet sich dort eine Hotline-Nummer mit kostenfreier 0130-Vorwahl (Wer erinnert sich noch?) und in den angefügten „Allgemeinen Geschäftsbedingungen für den Telefondienst“ sind natürlich Preise in D-Markt ausgewiesen.

Innenteil der Telekom-Broschüre von 1995
Innenteil der Telekom-Broschüre von 1995
Bildquelle: Telekom / Scan: TarifeTarife

Vergleicht man die damaligen AGB mit den heutigen, dann stellt man fest, dass die Hausjuristen das Rad auch nicht mit jeder Tarifgeneration neu erfinden. Stattdessen ist die Reihenfolge wesentlicher Punkte im Großen und Ganzen gleich geblieben. An verschiedenen Stellen wurden jedoch neue Bedingungen hinzugefügt, andere hingegen sind weggefallen.

Manch ein leidgeplagter Neukunde oder kürzlich umgezogener wird sich Punkt 9 der alten AGB jedoch herbeiwünschen. Unter der Überschrift „Absicherung eines zugesagten Bereitstellungstermins“ sind Beträge aufgeführt, welche die Telekom gutschrieb, sofern sich die Anschlussschaltung verzögerte. Bereits ab einer Verspätung von einem Tag wurden Beträge zwischen 20 DM und 60 DM gutgeschrieben. Eine vergleichbare Regelung finden man in den heutigen AGB nicht mehr.

Nicht nur deshalb ist die Broschüre aus dem späten Jahr 1994 ein interessantes Dokument, das den Wandel des deutschen Telekommunikationsmarktes veranschaulicht.

(kb)
Kundenbroschüre zur Telekom-Privatisierung

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