Verschwindet die mobile Daten-Flatrate langsam wieder?

Die mobile Datennutzung wird immer wichtiger. Viele Mobilfunkanbieter haben ihre Tarifupdates der letzten Monate genutzt um an Stellschrauben in diesem Bereich zu drehen. Nicht immer zu Gunsten der Kunden. Fast macht es den Eindruck als sollen die Flatrates wieder verschwinden.

Im Schnitt übertragen deutsche Mobilfunkkunden 377 MB im Monat. Dies geht aus einer Studie hervor, die Prof. Dr. Torsten J. Gerpott von Dialog Consult im Auftrag des Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) heute in Düsseldorf vorgestellt hat. Die mobile Nutzung des Internets ist für die meisten Menschen heute nicht mehr wegzudenken. Dies hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf die Tariflandschaft. Für Vieltelefonierer ist die Telefon-Flat mittlerweile obligatorisch, SMS spielt in Zeiten von WhatsApp eher eine untergeordnete Rolle. Als wichtiges Merkmal bei der Auswahl eines Mobilfunktarifs gilt mittlerweile die enthaltene Datenmenge.

Der Standard: Flatrate mit Drosselung

Mit dem Siegeszug der Smartphones hat sich recht schnell herausgestellt, das eine Abrechnung der Datenübertragung nach Verbindungszeit nicht praktikabel ist. Recht bald erschienen die ersten Flatrates. Im Gegensatz zum Festnetz gehen die Mobilfunkanbieter mit der verfügbaren Bandbreite sehr knauserig um, weshalb die Drosselung nach einem bestimmten Datenvolumen für deutsche Kunden lange Zeit den Normalfall darstellte. Laut Werbung ist eine grundlegende Nutzung (Nachrichten lesen, E-Mails abrufen) auch bei 64 kbit/s noch möglich. Zusätzliche Kosten entstehen nach der Drosslung nicht mehr – daher auch der Name „Flatrate“. Doch die Zeiten ändern sich.

„Datenvolumen nachbuchen“ und „Datenautomatik“

Lange sah es danach aus, dass die Preise von Datenflatrates, befeuert durch die Möglichkeiten neuer Mobilfunktechnologien, längerfristig einem leichten Abwärtstrend folgen würden. Die ungedrosselten Datenvolumina stiegen bei konstanten Preisen. In letzter Zeit lässt sich allerdings ein Trend beobachten, der die Situation für die Mobilfunkkunden nicht gerade verbessert. Erst tauchten Tarifoptionen auf, die das Nachbuchen von „Highspeed-Volumen“ ermöglichten. Dann folgte – natürlich nur im Sinne des Kunden – die sogenannte Datenautomatik, bei der nach Überschreiten des ungedrosselten Datenvolumens kostenpflichtig und automatisch bis zu dreimal Datenvolumen nachgebucht wird.

Bis zur Unbenutzbarkeit gedrosselt

Als weitere Eskalationsstufe, fangen Mobilfunkanbieter in den letzten Monaten vermehrt an, die Drosselung zu verstärken. Waren anfänglich Datenraten von 32 kbit/s oder sogar weniger die Ausnahme, findet man diese drastische Form der Datenbremse in letzter Zeit immer häufiger. Mit derart niedrigen Datenübertragungsraten ist eine sinnvolle Nutzung des Netzes kaum noch möglich. In einschlägigen Foren klagen Benutzer, dass der Aufruf einfachster Webseiten nicht mehr möglich ist. Die Motivation der Anbieter ist dabei klar. Der Kunde soll kostenpflichtiges Zusatzvolumen kaufen oder gar auf einen größeren Tarif upgraden. Diese Vorgehensweise ist sowohl bei Discountern als auch bei den Netzbetreibern selbst zu finden. Es scheint als seien die Tage mobiler Daten-Flatrates zumindest angezählt.

(kb)
Tage der Daten-Flatrate scheinen gezählt

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